Der Mensch wurde erschaffen, eine ständig fortschreitende Kultur voranzutragen. Der Allmächtige bezeugt Mir: Wie die Tiere auf dem Felde zu leben, ist des Menschen unwürdig. Die Tugenden, die seiner Würde anstehen, sind Geduld, Erbarmen, Mitleid und Güte für alle Völker und Geschlechter der Erde. Sprich: O Freunde! Trinkt euch satt aus diesem kristallklaren Strom, der durch die himmlische Gnade dessen dahinfließt, der der Herr aller Namen ist. Laßt in Meinem Namen andere an seinen Wassern teilhaben, damit die Führer der Menschen in allen Landen klar erkennen, aus welchem Grund die Ewige Wahrheit offen­bart ist und warum sie selbst erschaffen wurden.
(Bahá’u’lláh, Ährenlese)

Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, ehe nicht ihre Ein­heit fest begründet ist. Diese Einheit kann so lange nicht zustande kommen, als die Ratschläge, die die Feder des Höchsten offenbart hat, unbeachtet bleiben.
(Bahá’u’lláh, Ährenlese)

Die langen Zeiten der Kindheit und der Minderjährigkeit, welche die Menschheit zu durchschreiten hatte, sind in den Hintergrund getreten. Die Menschheit erlebt jetzt die Erregungen, die unabänderlich mit der stürmischsten Stufe ihrer Entwicklung, dem Jünglingsalter, verbunden sind. In dieser Zeit erreichen jugendliche Unbändigkeit und Heftigkeit den Höhepunkt; sie müssen Schritt für Schritt von der Ruhe, der Weisheit und der Vollendung abgelöst werden, welche die Stufe des Mannesalters kennzeichnen. Dann wird das Menschengeschlecht jene Gestalt der Reife erlangen, die es befähigen wird, alle die Kräfte und Fähigkeiten zu erwerben, von denen seine Entwicklung letztlich abhängt.
(Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs)

Die Vereinigung der ganzen Menschheit ist das Kennzeichen der Stufe, der sich die menschliche Gesellschaft heute nähert. Die Einheit der Familie, des Stammes, des Stadtstaates und der Nation ist nacheinander in Angriff genommen und völlig erreicht worden. Welteinheit ist das Ziel, dem eine gequälte Menschheit zustrebt. Der Aufbau von Nationalstaaten ist zu einem Ende gekommen. Die Anarchie, die der nationalstaatlichen Souveränität anhaftet, nähert sich heute einem Höhepunkt. Eine Welt, die zur Reife heranwächst, muß diesen Fetisch aufgeben, die Einheit und Ganzheit der menschlichen Beziehungen erkennen und ein für allemal den Apparat aufrichten, der diesen Leitgrundsatz ihres Daseins am besten zu verkörpern vermag.
(Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs)

Die Offenbarung Bahá’u’lláhs, deren höchstes Ziel es ist, diese organische, geistige Einheit aller Nationen in ihrer Gesamtheit zu vollenden, muß, wenn wir zu ihren selbstverständlichen Folgerungen stehen, als Signal für den Eintritt des gesamten Menschengeschlechts in den Zustand der Mündigkeit betrachtet werden. […] Das Hervortreten einer Weltgemeinschaft, das Bewußtsein des Weltbürgertums, die Begründung einer Weltzivilisation und Weltkultur […] sollten ihrer wahren Natur nach, was dieses planetarische Leben anbelangt, als die äußersten Grenzen für die Organisation der menschlichen Gesellschaft angesehen werden, wenngleich der Mensch als Einzelwesen im Ergebnis dieser Vollendung unbegrenzt weiter fortschreiten, sich weiter entwickeln wird und muß.
(Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs)

Gott hat uns Augen gegeben, damit wir uns in der Welt umschauen und alles festhalten, was unsere Kultur und unsere Lebenskunst voranbringt. Er hat uns Ohren gegeben, damit wir zu unserem Nutzen auf die Weisheit der Gelehrten und Philosophen hören und uns aufmachen, ihre Lehren zu fördern und in die Tat umzusetzen. sinne und Fähigkeiten sind uns verliehen worden, damit wir sie dem Dienst am allgemeinen Wohl weihen, so daß wir, die wir uns durch Wahrnehmungsvermögen und Verstand hoch über alle anderen Lebensformen erheben, uns allezeit und in jeder Hinsicht, bei wichtigen und bei nebensächlichen Anlässen, in normalen oder außergewöhnlichen Verhältnissen, darum mühen, die ganze Menschheit sicher in der unbezwingbaren Feste des Wissens zu versammeln.
(‘Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis göttlicher Kultur)

Aufrichtigkeit ist der Grundstein des Glaubens. Das heißt, ein religiöser Mensch muß seine persönlichen Wünsche vergessen und danach streben, auf jede ihm mögliche Weise und von ganzem Herzen dem öffentlichen Wohl zu dienen. Andererseits ist es einem menschlichen Wesen nicht möglich, sich von seinem eigenen, selbstsüchtigen Nutzen abzuwenden und sein Wohl dem Wohl der Allgemeinheit zu opfern, es sei denn durch wahren religiösen Glauben. Denn Eigenliebe ist in jenen Klumpen Lehm, aus dem der Mensch gemacht ist, hineingeknetet, und ohne die Aussicht auf eine ansehnliche Belohnung wird keiner seinen handgreiflichen materiellen Nutzen hintanstellen. Ein Mensch aber, der an Gott und Sein Wort glaubt, wird um Gottes willen seinen eigenen Vorteil und seine Behaglichkeit aufgeben und sich mit Herz und Seele, aus freien Stücken, dem Allgemeinwohl weihen, weil er die Verheißung und die Gewißheit hat, daß ihn im nächsten Leben reicher Lohn erwartet, und weil ihm aller irdische Nutzen nichts bedeutet im Vergleich zu der immerwährenden Freude und Herrlichkeit künftiger Stufen seines Seins. »Ein anderer aber ist unter den Menschen, der sein eigenes Selbst verkauft aus Verlangen nach dem Wohlgefallen Gottes« (Qur’án 2:203).
(‘Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis göttlicher Kultur)

Wie ist so manches Kind noch jung an Jahren und doch schon reif und sicher in seinem Urteil! Und wie ist so mancher betagte Mensch unwissend und verwirrt! Denn Wachstum und Entwicklung hängen von den Verstandeskräften und der Vernunft eines Menschen ab, nicht von seinem Alter oder der Dauer seiner Erdentage.
(‘Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften)

Wissen gleicht den Flügeln für des Menschen Leben, einer Leiter für seinen Aufstieg. Es ist jedermanns Pflicht, sich Wissen zu erwerben. Jedoch sollten solche Wissenschaften studiert werden, die den Völkern auf Erden nützen, nicht solche, die mit Worten beginnen und mit Worten enden. Viel verdanken fürwahr die Völker der Welt den Wissenschaftlern und den Handwerkern. Dies bezeugt das Mutterbuch am Tage Seiner Wiederkehr. Glücklich ist, wer hörende Ohren besitzt. In der Tat, Wissen ist ein wahrer Schatz für den Menschen, eine Quelle des Ruhmes, der Großmut, der Freude, der Erhabenheit, des Frohsinns und der Heiterkeit. Also spricht die Zunge der Größe in diesem Größten Gefängnis.
(Bahá’u’lláh, Botschaften aus Akka, 5:15)

Die materielle Zivilisation ist wie das Glas um die Lampe, die göttliche Kultur ist die Lampe selbst. Das Glas ohne Licht ist dunkel. Die materielle Zivilisation ist wie der Leib. Sei er auch noch so anmutig, elegant und schön, so ist er dennoch tot. Die göttliche Kultur ist wie der Geist; der Leib erhält sein Leben durch den Geist, sonst ist er ein Leichnam. So ist es klar, daß die Menschenwelt den Odem des Heiligen Geistes braucht. Ohne den Geist ist die Menschenwelt leblos; ohne dieses Licht verbleibt die Menschenwelt in tiefster Finsternis.
(‘Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften)

Jede höhere Stufe begreift die niedrigere und entdeckt deren Wirklichkeit, aber die niedrigere weiß nichts von der höheren und kann sie nicht begreifen, doch durch die Macht seiner Vernunft, durch Beobachtung, durch seine Einfühlungsgabe und durch die offenbarende Macht seines Glaubens kann er Gott anerkennen und Gottes Gnadengaben entdecken. Er wird gewiß, daß überzeugende (geistige) Beweise das Sein jener unsichtbaren Wirklichkeit bestätigen, auch wenn das Wesen Gottes dem Auge verborgen ist und Gottes Sein nicht faßbar ist. Das Wesen Gottes, wie es in sich selbst besteht, ist jedoch über jede Beschreibung erhaben. So ist auch das Wesen des Äthers unbekannt; daß es ihn aber gibt, wird aus seinen Wirkungen deutlich: Wärme, Licht und Elektrizität sind seine Schwingungen. Durch diese Schwingungen wird das Dasein des Äthers bewiesen. Und wenn wir die Ausgießungen der göttlichen Gnade beobachten, werden wir des göttlichen Seins gewiß.
(‘Abdu’l-Bahá, Brief an Forel)