Tage des Gebens und der Gastfreundschaft — Die Bahá’í feiern Ayyám-i-Há

DEUTSCHLANDWEIT — Die letzten Tage des Monats Februar sind manchmal schon frühlingshaft, manchmal noch eisig. In jedem Fall sind sie schon deutlich heller als noch zu Beginn des Monats. Doch nicht nur der nahende Frühlingsanfang machen diese Tage für die Bahá’í weltweit zu etwas besonderem. Im Badí-Kalender, dem Kalender der Bahá’í-Zeitrechnung, werden die Tage zwischen dem 26. Februar und 1. oder 2. März als „Ayyám-i-Há“ bezeichnet, als „eingeschobene Tage“. Es sind die vier oder fünf Tage, die zwischen den beiden letzten Monaten im Badí-Kalender liegen, direkt vor dem Fastenmonat. Und sie sind die Tage des Gebens, der Gastfreundschaft, der Freude und der tätigen Nächstenliebe.

Feste Traditionen gibt es zu Ayyám-i-Há nicht in der weltweiten Bahá’í-Gemeinde. So begeht jeder und jede Bahá’í, jede Familie und Gemeinde diese Zeit unterschiedlich. Allen gemein ist das Bewusstsein über die Besonderheit der Tage, die außerhalb des Kalenders liegen.

„Seit einigen Jahren haben wir in unserer Familie die Tradition, an einem Tag von Ayyám-i-Há einen Tag der offenen Tür zu machen“, erzählt Katrin, eine Mutter aus Leimen. Gemeinsam mit ihrer Familie lädt sie Nachbarn, Freunde und Kollegen zu sich nach Hause ein um miteinander ins Gespräch zu kommen. „Dabei entstehen immer sehr schöne Konstellationen von Menschen“, berichtet die Gastgeberin.

In Hamburg bereitet die 25-jährige Anisa indessen ein Fest für den Abend des zweiten Ayyám-i-Há Tages vor. Gemeinsam mit einem Team aus jungen Jugendlichen zwischen 11 und 14 Jahren hat sie viele Altersgenossen eingeladen sowie etwas ältere Jugendliche. Warum? „Wir möchten gerne weitere Juniorjugendgruppen starten und erhoffen uns, dass durch das Fest junge und ältere Jugendliche zusammenfinden, die Teil einer solchen Gruppe sein möchten“, erklärt Anisa. Für den Samstag ist ein gemeinsames Dienstprojekt mit dem Naturschutzbund geplant.

Icebreaker-Spiele: Die Jugendlichen lernen sich kennen, bevor sie gemeinsam Pläne schmieden.

In Potsdam hat die Gemeinde während Ayyám-i-Há geplant, mit ihren Kindern, Jugendlichen und deren Freunden eine große Bastelaktion durchzuführen und die Ergebnisse an einem der Ayyám-i-Há Tage in der Nachbarschaft zu verschenken. An den gebastelten Herzen, Sternen, Bonbons und vielem mehr hängen kleine Botschaften, mit den die Kinder den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern wollen. „Ich finde, das Basteln von Geschenken während Ayyám-i-Há bringt Eigenschaften in uns hervor, an denen wir das ganze Jahr über arbeiten können“, erzählt eine Mutter, deren Tochter eifrig mitbastelt. „Dazu gehören Großzügigkeit, Achtsamkeit, Wertschätzung, Freundlichkeit und Liebe“, ergänzt sie.
Ältere Mitglieder der Potsdamer Gemeinde helfen vom ersten bis letzten Tag der Ayyám-i-Há Zeit vormittags in einer Suppenküche mit. „Es gibt immer Möglichkeiten, sich an den gemeinnützigen Bemühungen im eigenen Umfeld zu beteiligen. Ayyám-i-Há sehe ich gerne als Einladung an, mich mit dem Engagement anderer in unserer Stadt vertraut zu machen und wertzuschätzen“, berichtet Alina, die nun regelmäßiger in der Suppenküche helfen möchte.

Die erste Runde der gebastelten Herzen mit Botschaften, die Menschen erfreuen sollen.

Auch die Leimener Gemeinde engagiert sich während der Ayyám-i-Há-Tage sozial. Die Kinderklassen und Juniorjugendgruppen des Ortes sammeln bei ihren eigenen Ayyám-i-Há Festen Sachspenden für ein SOS-Kinderdorf, es werden Kekse für die Feuerwehr gebacken oder selbst bemalte Beutel mit Hygiene-Artikeln an Obdachlose verteilt.
Die eigenen Kinder kommen auch nicht zu kurz. „Unsere Kinder bekommen am ersten Tag immer ein paar Geschenke und dürfen an jedem der Tage dann eins davon öffnen. Für mich persönlich ist diese Zeit auch eindeutig auf die jüngere Generation fokussiert“, resümiert Katrin. Und: “Die Freude der Kinder macht diese Zeit für mich besonders.”

Liebevoll gebackene Kekse der Leimener Kinderklasse und Juniorgruppe, die sie im Ort an die Feuerwehr, Nachbarn, Freunde und vielen anderen verteilten.