Gott in Seinem Wesen und Seinem Urselbst ist allezeit unsichtbar, unerreichbar und unerforschlich.
(Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes, 1:172)

Er ist und war von Ewigkeit her einzig und allein, ohne Gefährten oder Seinesgleichen, ewig in der Vergangenheit, ewig in der Zukunft, gesondert von allen Dingen, immerwährend, unveränderlich und selbstbestehend.
(Bahá’u’lláh, Ährenlese, 94:1)

O Sohn des Menschen!
Verhüllt in Meinem unvordenklichen Sein und in der Urewigkeit Meines Wesens, wußte Ich um Meine Liebe zu dir. Darum erschuf Ich dich, prägte dir Mein Ebenbild ein und offenbarte dir Meine Schönheit.
(Bahá’u’lláh, Die Verborgenen Worte, arab. Nr. 3)

Nachdem Er die Welt und alles, was darin lebt und webt, erschaffen hatte, wünschte Er durch das unmittelbare Wirken Seines unumschränkten, höchsten Willens, dem Menschen die einzigartige Auszeichnung und Fähigkeit zu verleihen, Ihn zu erkennen und zu lieben – eine Fähigkeit, die man als den der gesamten Schöpfung zugrunde liegen­den schöpferischen Antrieb und Hauptzweck ansehen muß… Auf die innerste Wirklichkeit jedes erschaffenen Dings hat Er das Licht eines Seiner Namen ergossen; jedes hat Er zum Empfänger der Herrlichkeit einer Seiner Eigenschaften gemacht. Die Wirklichkeit des Menschen jedoch hat Er zum Brennpunkt für das Strahlen aller Seiner Namen und Attribute und zum Spiegel Seines eigenen Selbstes erkoren. Von allem Erschaffenen ist allein der Mensch zu einer so großen Gunst, einer so dauerhaften Gabe auserwählt.
(Bahá’u’lláh, Ährenlese, 27:2)

Das Tor zur Erkenntnis des Altehrwürdigen Seins ist immer vor den Menschen verschlossen gewesen und wird es für immer bleiben. Kein menschliches Begreifen wird jemals zu Seinem heiligen Hofe Zutritt erlangen. Als Zeichen Seiner Barmherzigkeit und als Beweis Seiner Gnade hat Er jedoch den Menschen die Sonnen Seiner göttlichen Führung, die Sinnbilder Seiner göttlichen Einheit offenbart und verfügt, daß die Erkenntnis dieser geheiligten Wesen mit der Erkenntnis Seines eigenen Selbstes gleichzusetzen sei. Wer sie erkennt, hat Gott erkannt. Wer auf ihren Ruf hört, hat auf die Stimme Gottes gehört, und wer die Wahrheit ihrer Offenbarung bezeugt, hat die Wahrheit Gottes selbst bezeugt. Wer sich von ihnen abwendet, hat sich von Gott abgewandt, und wer nicht an sie glaubt, hat nicht an Gott geglaubt. Jeder von ihnen ist der Pfad Gottes, der diese Welt mit den Reichen der Höhe verbindet, und das Banner Seiner Wahrheit für alle in den Reichen der Erde und des Himmels. Sie sind die Manifestationen Gottes unter den Menschen, die Beweise Seiner Wahrheit und die Zeichen Seiner Herrlichkeit.
(Bahá’u’lláh, Ährenlese, 21)

Auch wirst du verstehen, daß Gottes Treuhänder bei den Völkern der Erde als Vertreter einer neuen Sache und Träger einer neuen Botschaft erscheinen. Da diese Vögel des himmlischen Thrones alle aus dem Himmel des Willens Gottes herabgesandt sind, da sie alle sich erheben, Seinen unwiderstehlichen Glauben zu verkünden, sind sie wie eine Seele und ein Wesen anzusehen. Denn sie alle trinken aus demselben Kelch der Liebe Gottes, und alle haben sie teil an der Frucht desselben Baumes der Einheit.
(Bahá’u’lláh, Kitab-i-Iqan, 2:60)

Nun zu deiner Frage über das Wesen der Religion. Wisse, daß die wahrhaft Weisen die Welt mit dem menschlichen Tempel vergleichen. Wie der Leib des Menschen eines Gewandes bedarf, sich zu kleiden, so muß der Menschheit Leib mit dem Mantel der Gerechtigkeit und Weisheit ge­schmückt sein. Ihr Prachtgewand ist die Offenbarung, die Gott ihr gewährt hat. Wann immer dieses Gewand seinen Zweck erfüllt hat, wird der Allmächtige es gewiß erneuern. Denn eine jede Zeit erfordert ein neues Maß des göttlichen Lichtes. Jede göttliche Offenbarung wurde so herabgesandt, wie sie den Verhältnissen des Zeitalters entsprach, in dem sie erschienen ist.
(Bahá’u’lláh, Ährenlese, 34:7)

Die Anhänger dieses Glaubens stehen fest zu dem grundlegenden Prinzip, wie es von Bahá’u’lláh verkündet worden ist, daß religiöse Wahrheit nicht absolut, sondern relativ ist, daß Gottesoffenbarung ein fortdauerndes und fortschreitendes Geschehnis ist, daß alle großen Religionen der Welt göttlich in ihrem Ursprung sind, daß ihre Grundsätze miteinander in völligem Einklang stehen, daß ihre Ziele und Absichten ein und dieselben sind, daß ihre Lehren nur Widerspiegelungen der einen Wahrheit sind, daß ihr Wirken sich ergänzt, daß sie sich nur in unwesentlichen Teilen ihrer Lehren unterscheiden und daß ihre Sendungen aufeinanderfolgende geistige Entwichlungsstufen der Menschheit darstellen.
(Shoghi Effendi, Der verheißene Tag ist gekommen, Vorwort, S. 7)

Der Allbarmherzige hat dem Menschen die Fähigkeit des Sehens verliehen und ihn mit der Kraft des Hörens begabt. Manche haben ihn als die »kleinere Welt« bezeichnet, während er in Wirklichkeit als die »größere Welt« angesehen werden sollte. Die Möglichkeiten, die der Stufe des Menschen in­newohnen, das volle Maß seiner Bestimmung auf Erden, der angeborene Vorzug seiner Wirklichkeit – all dies muß an diesem verheißenen Tage Gottes offenbar werden.
(Bahá’u’lláh, Ährenlese, 162:1)

Gott hat uns Augen gegeben, damit wir uns in der Welt umschauen und alles festhalten, was unsere Kultur und unsere Lebenskunst voranbringt. Er hat uns Ohren gegeben, damit wir zu unserem Nutzen auf die Weisheit der Gelehrten und Philosophen hören und uns aufmachen, ihre Lehren zu fördern und in die Tat umzusetzen. Sinne und Fähigkeiten sind uns verliehen worden, damit wir sie dem Dienst am allgemeinen Wohl weihen, so daß wir, die wir uns durch Wahrnehmungsvermögen und Verstand hoch über alle anderen Lebensformen erheben, uns allezeit und in jeder Hinsicht, bei wichtigen und bei nebensächlichen Anlässen, in normalen oder außergewöhnlichen Verhältnissen, darum mühen, die ganze Menschheit sicher in der unbezwingbaren Feste des Wissens zu versammeln. Unablässig sollen wir neue Grundlagen des menschlichen Glückes legen, fortgesetzt sollen wir neue Werkzeuge schaffen und alte verbessern, um dieses Ziel zu erreichen. Wie erhaben, wie hochgeehrt ist ein Mensch, wenn er sich aufmacht, seinen Pflichten nachzukommen…Wir müssen den hochgesinnten, festen Entschluß fassen, uns zu erheben und alle jene Werkzeuge in den Griff zu bekommen, die Frieden, Wohlstand und Glück, Erkenntnis, Kultur und Gewerbefleiß, Würde, Wert und Stufe der gesamten Menschheit vorantreiben. Durch die belebenden Wasser reiner Absicht und selbstlosen Bemühens wird der Boden menschlicher Anlagen vom Blütenmeer seiner eigenen bislang verborgenen Vortrefflichkeiten übersät, er wird rühmenswerte Eigenschaften hervorbringen, blühen und Frucht tragen, bis er sich mit dem Rosengarten der Erkenntnis messen kann, den unsere Vorväter besessen haben.
(Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis göttlicher Kultur, S.14)