Das Bahá'í-Weltzentrum
Für die Bahá'í sind die Nachbarstädte Haifa und 'Akká in Nordisrael der heiligste Ort auf Erden, da sich hier zugleich das administrative wie spirituelle Zentrum ihrer weltweiten Gemeinde befindet.
Die Entstehung des Bahá'í-Weltzentrums am Berg Karmel an der Bucht von Haifa nahm 1868 ihren Anfang, als Bahá'u'lláh per Schiff auf die Nachbarstadt 'Akká - seinen letzten Verbannungsort- zusteuerte. Von dort wies er in seinem Sendschreiben "Tablet vom Karmel" auf die spätere Bestimmung dieses Berges als Glaubenszentrum hin:
"Rufe aus gen Zion, o Karmel, und künde die frohe Botschaft: Er, der den sterblichen Augen verborgen war, ist gekommen!.. Bald wird Gott Seine Arche auf dich zusteuern und das Volk Bahás offenbaren, das im Buche der Namen erwähnt ist.. Frohlocke, denn Gott hat an diesem Tage Seinen Thron auf dir errichtet."
(Baha'u'llah, Botschaften aus 'Akká, 1:3-4)
'Abdu'l-Bahá, Shoghi Effendi und das Universale Haus der Gerechtigkeit gaben dieser Vision in den folgenden Jahrzehnten Gestalt, indem sie die vorgesehenen Gebäude, Gärten und institutionellen Strukturen in beeindruckender Schnelligkeit errichteten.
Im Zentrum des Berges Karmel befindet sich die letzte Ruhestätte des Báb mit ihrer goldenen Kuppel. Der elfenbeinfarbene Schrein ist umgeben von neunzehn sich majestätisch über den Berghang erstreckenden Terrassen.
Oberhalb des Grabmals befinden sich vier Verwaltungsgebäude im neoklassizistischen Baustil. Sie sind angeordnet in einem Bogen und eingebettet in eindrucksvolle Gärten. Ihren Mittelpunkt bildet der ständige Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit. Links davon befindet sich das Internationale Lehrzentrum, der Hauptsitz des ernannten Zweiges der Berater. Rechts abgehend liegt das "Zentrum für das Studium der Heiligen Texte". Die Mitarbeiter dort widmen sich dem Studium, der Übersetzung und Publikation der vielen noch unbekannten Bahá'í-Schriften. Noch weiter aussen befindet sich das "Internationale Archiv". Es enthält die wichtigsten historischen Schriften und Relikte aus der Gründerzeit des Bahá'í-Glaubens; z.B. persönliche Gegenstände von Báb, Bahá'u'lláh und 'Abdu'l-Bahá.
Im Bahá'í-Weltzentrum werden auch die Originalschriften der Zentralgestalten des Glaubens für die Nachwelt konserviert und instand gesetzt. Über 600 Bahá'í dienen derzeit am Weltzentrum. Die Gemeinschaft setzt sich aus Menschen verschiedenster Altersgruppen (von neugeboren bis über 60 Jahre) aus über 70 Ländern zusammen. Sie verbindet die Liebe zu Bahá'u'lláh und der Wunsch, seiner Sache zu dienen.
Die letzte Ruhestätte von Bahá'u'lláh befindet sich auf der gegenüberliegenden Bucht in Bahji, nördlich von 'Akká . Dies ist die heiligste Stätte auf Erden für die Bahá'í. Neun Pfade führen sternenförmig auf diese schlichte und würdevolle Grabstätte zu. Über eine große Weite erstrecken sich dem Auge farbenfrohe Gärten, die anmutige Majestät ausstrahlen und von tiefer, geistiger Stille durchdrungen sind. Sie verbinden sich mit den Wegen zu einem leuchtenden Kreis, in dessen Mittelpunkt sich der Schrein Bahá'u'lláhs erhebt. Er bildet zusammen mit den Gebäuden am Berg Karmel das Ziel der Verehrung und Pilgerfahrt für alle Bahá'í.
Jeden Tag wenden sich die Gläubigen auf der ganzen Welt während ihres Pflichtgebets in die Himmelsrichtung von Bahá'u'lláhs Grabmal. Er selbst hatte seine spätere Ruhestätte zur Gebetsrichtung (arab. "Qiblih") bestimmt:
"Wollt ihr dieses Gebet verrichten, so wendet euch dem Hof meiner heiligen Gegenwart zu, diesem geweihten Ort, von Gott zur Mitte gemacht, darum die Höchste Schar kreist, und zum Punkt der Anbetung für die Bewohner der Städte der Ewigkeit bestimmt, zum Quell des Befehls für alle im Himmel und auf Erden."
(Bahá’u’lláh,. Kitab-i-Aqdas, S.29)
