Bahá'í International Community
Die Bahá’í International Community (BIC) vertritt die weltweite Bahá’í-Gemeinde als regierungsunabhängige Organisation bei den Vereinten Nationen. Die BIC ist seit 1970 beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC), seit 1974 beim Umweltprogramm (UNEP) und seit 1976 beim Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) akkreditiert. Die BIC arbeitet im zunehmenden Maße auch mit verschiedenen anderen Organisationen der Vereinten Nationen wie dem Frauenförderfonds (UNIFEM), dem Entwicklungsprogramm (UNDP) und dem Bevölkerungsfonds (UNFPA) zusammen.
1992 - 1996 und 2003 - 2005 wurde die BIC zum Vorsitz der UNO-NGO-Interessengemeinschaft (NGO/DPI-Executive-Committee) gewählt. In einem Brief von 1990 schreibt die damalige stellvertretende UN-Generalsekretärin Thérèse Sévigny: "We are pleased to take this opportunity to warmly affirm from our experience that the Bahá'í International Community has a record of outstanding service in its support of United Nations programmes and activities, and that Bahá'í communities will make a strong, constructive contribution to the betterment of the lives of the people, wherever they may be."
Viele der BIC-Projekte werden in Zusammenarbeit mit den 182 nationalen Körperschaften der Bahá’í, den Nationalen Geistigen Räten, durchgeführt.
Während des Milleniumsgipfels der Staats- und Regierungschefs im Jahr 2000 mit Vertretern der weltweiten Zivilgesellschaft war es der damalige UN-Repräsentant der Bahá’í International Community, Techeste Ahderom, der sich im Namen aller Nicht-Regierungsorganisationen in einer Rede an die Generalversammlung der Vereinten Nationen wandte. Er tat dies in seiner Rolle als Co-Vorsitzender des Millennium-Forums, das wenige Monate zuvor Vertreter von über tausend Nicht-Regierungsorganisationen aus 113 Ländern an derselben Stelle zusammengeführt hatte.
Geschichte der Bahá'í International Community
Bereits im Frühjahr 1947 wurde der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in den USA und Kanada von den Vereinten Nationen in New York als nichtstaatliche Organisation anerkannt. Zur gleichen Zeit bat das Sonderkomitee der Vereinten Nationen zu Palästina die Bahá’í um eine Darstellung der Beziehungen der Bahá’í-Gemeinde zu Palästina und über die Bahá’í-Vorstellungen für die zukünftige Gestaltung Palästinas. Dies geschah hauptsächlich, weil sich das geistige und administrative Zentrum der weltweiten Bahá’í-Gemeinde seit 1868 in Akká und Haifa, im heutigen Israel, befindet.
In der Folge wurden 1948 die damals weltweit bestehenden acht Nationalen Geistigen Räte gemeinschaftlich als "Bahá’í International Community" mit Beobachterstatus anerkannt. Seit Mitte der 60er Jahre kam es zu einem steten personellen und räumlichen Ausbau der BIC. Heute ist die Bahá’í International Community an allen Amtssitzen der Vereinten Nationen tätig, so auch in New York und in Genf.
Aktivitäten der Bahá'í International Community
Vertreter und Vertreterinnen der BIC haben seit Gründung der Vereinten Nationen versucht, die Erfahrungen und Erkenntnisse der weltweiten Bahá'í-Gemeinde in das System der Vereinten Nationen einzubringen. Bahá'í-Delegationen haben in den letzten 40 Jahren an den meisten der großen Konferenzen teilgenommen, vor allem an den thematischen UN-Gipfeln in den 90er Jahren.
Zum Beispiel spielten die Bahá'í während des Kindergipfels der Vereinten Nationen im Jahr 1990 innerhalb der Zivilgesellschaft eine Schlüsselrolle für die Förderung der Kinderrechte. Im Jahr 1992 waren die Bahá'í anlässlich des Umwelt- und Entwicklungsgipfels in Rio de Janeiro tatkräftig am Global Forum beteiligt. Sie warben während der Verhandlungen um eine Earth Charter engagiert für einen ganzheitlichen Ansatz von Entwicklung. Die BIC war zudem die einzige religiöse Nicht-Regierungsorganisation, die eine Stellungnahme an die Generalversammlung des Gipfels richtete.
Im Jahr 1993 betonte die BIC aus Anlass der Wiener UN-Menschenrechtskonferenz die Universalität der Menschenrechte und auf dem Sozialgipfel 1995 in Kopenhagen den Zusammenhang von Weltbürgertum und globalem Wohlstand. Zu der vierten Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking kamen mehr als 500 Bahá'í aus der ganzen Welt, um am NGO-Forum teilzunehmen, während die BIC in einer Stellungnahme an die Regierungsdelegationen betonte, dass sich auch die Haltung und die Verhaltensweisen der Männer ändern müssten, um den Fortschritt der Frauen zu ermöglichen.
Immer wieder engagierte sich die BIC für die Weiterentwicklung der Vereinten Nationen zu einer allen Staaten und Völkern gleichermaßen gerechtwerdenden Vertretung gemeinsamer Interessen.
Stellungnahmen der weltweiten Bahá’í-Gemeinde
Im Laufe ihres Bestehens hat sich die BIC immer wieder in Stellungnahmen an die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen gewandt, in denen sie Bezug nahm auf die Förderung des sozialen und wirtschaftlichen Wohlergehens, des Weltfriedens, der nachhaltigen Entwicklung, der Menschenrechte, der Gleichberechtigung der Frau und auf Werteerziehung.
Wer schreibt die Zukunft?
Diese Stellungnahme wurde vom Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Bahá’í International Community im Februar 1999 veröffentlicht. Darin werden die geschichtlichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts im Lichte der Lehren der Bahá’u’lláhs untersucht und diese Entwicklungen mit den Herausforderungen, denen sich die Menschheit am Ende des Jahrhunderts gegenübersieht, in Beziehung gesetzt.
Entwicklungsperspektiven für die Menschheit
Anlässlich des Weltsozialgipfels der Vereinten Nationen in Kopenhagen im Januar 1995 veröffentlichte das Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Bahá’í International Community diese Stellungnahme. Sie zeigt ein neues Verständnis von globalem Wohlstand auf und beschäftigt sich umfassend mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Menschheit.
Wendezeit der Nationen
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Gründung der Vereinten Nationen veröffentlichte die Bahá’í International Community 1995 diese Stellungnahme, die sich mit der Entwicklung und Rolle der Vereinten Nationen innerhalb einer globalen Ordnung befasst und konkrete Vorschläge für den Prozess der Integration der Völker und Nationen enthält.
Statements des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
In einigen Stellungnahmen wandte sich auch das Universale Haus der Gerechtigkeit, das oberste Leitungsgremien der weltweiten Bahá’í-Gemeinde, direkt an die Weltöffentlichkeit.
Botschaft der Bahá’í an die religiösen Führer der Welt
Im April 2002 wandte sich das Universale Haus der Gerechtigkeit mit einem Aufruf an die Repräsentanten der Religionen der Welt. Es tat dies in seiner Sorge um die gegenwärtige Gefahr, "dass die auflodernden Feuer religiöser Vorurteile einen Weltbrand entfachen, dessen Folgen sich niemand ausmalen kann". Es legte seinen Partnern im interreligiösen Dialog dar, dass die Überwindung religiöser Vorurteile nur in der Beachtung der umfassenden Wahrheit liegen kann, "dass es nur einen Gott gibt, und dass, jenseits aller Unterschiede in kultureller Ausprägung und menschlicher Interpretation, auch die Religion nur eine ist."
Die Verheißung des Weltfriedens
Diese Stellungnahme des Universalen Hauses der Gerechtigkeit wurde im Oktober 1985 anlässlich des Internationalen Jahres des Friedens der Vereinten Nationen veröffentlicht. Sie wurde in den vergangenen Jahren über 160 Staats- und Regierungschefs übergeben. In dem Dokument werden die Voraussetzungen für als auch die Widerstände gegen die Errichtung des Weltfriedens erörtert.



