Einführung
Der Iran ist das Geburtsland Bahá‘u‘lláhs, des Stifters der Bahá’í-Religion. Er wurde 1868, achtzig Jahre vor Gründung des Staates Israel, durch die Herrscher Persiens und des Ottomanischen Reiches in die damalige Gefängnisstadt ‘Akká bei Haifa verbannt. Von hier aus verbreitete sich die Bahá’í-Religion zu einer weltweiten Gemeinschaft mit über sechs Millionen Anhängern auf allen Kontinenten.
Trotzdem ist die Bahá‘í-Gemeinde in Iran die größte religiöse Minderheit geblieben, bis heute. Sie wird aber als nachislamische Offenbarungsreligion anders als Christen, Juden und Zoroaster nicht als „schützenswerte religiöse Minderheit“ in Artikel 13 der Landesverfassung genannt. Im Gegenteil: Bahá‘í gelten aufgrund ihres Anspruchs, eine Religionsstiftung nach dem Islam zu sein, als Apostaten und Häretiker. Sie werden als „Unreine“ und „perverse politische Sekte“ bezeichnet, neuerdings auch als „Kult“. Die über 300.000 Angehörigen der Bahá’í-Religion gelten in Iran wahlweise als „Gefahr für die nationale Sicherheit“, „Spione des Westens“ oder „Zionisten“.
Die Unterstellung der Spionage für fremde Mächte dient seit über einem drei viertel Jahrhundert der Verfolgung der Bahá‘í in Iran. Seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden ihre Widersacher in Iran nicht müde, die neue Religion als „politische Sekte“ imperialistischer Regierungen zu bezeichnen. Sie habe das Ziel, die islamische Nation zu schwächen. So wurden die Bahá‘í nacheinander als Werkzeuge der russischen, dann der britischen und US-amerikanischen Expansionspolitik angeschuldigt, schließlich als Instrument des Zionismus.
Die haltlosen Anschuldigungen dienen zur Rechtfertigung umfangreicher, systematischer und staatlich angeordneter Menschenrechtsverletzungen an den Bahá‘í, die alle Lebensbereiche betreffen und jeden Bahá‘í gleichermaßen bedrohen. Die grausame und unmenschliche Behandlung der Bahá‘í findet statt vor dem Hintergrund staatlich beförderter Hetze und Hasspredigten, Bomben- und Brandanschläge gegen ihre Geschäfte als auch anderer Formen des Terrorismus. Sie haben zum Ziel, Bahá’í aus ihren Städten und Gemeinden zu vertreiben. Eine ganze Reihe anderer Verstöße und Verletzungen ihrer fundamentalen Menschenrechte ist, traurig genug, nur allzu bekannt und wird von Tag zu Tag länger. Einen aktuellen Ausschnitt dessen geben wir hier wieder.
