Europäisches Haus der Andacht

Das erste und derzeit einzige Bahá'í-Haus der Andacht Europas befindet sich im Herzen des Kontinents - in der Mitte Deutschlands - zwischen Frankfurt am Main und Wiesbaden, in Hofheim-Langenhain im Taunus. Ein Bahá'í-Haus der Andacht steht allen Menschen offen. Der Zentralbau verkörpert die Einheit Gottes und der ganzen Menschheit. Seine neun Eingänge symbolisieren die Vielfalt der Religionen. Am Ort des Hauses der Andacht befindet sich zugleich der Sitz des Nationalen Geistigen Rates der Bahá'í in Deutschland.

Andachten

Das Haus der Andacht ist täglich geöffnet von 9.00 bis 18.00 Uhr, in den Sommermonaten sogar bis Sonnenuntergang. Jeden Sonntag findet um 15.00 Uhr eine etwa halbstündige Andacht statt, bei der Texte aus den heiligen Schriften vorgelesen werden. Die Bahá'í kennen keinen Klerus. Es findet daher keine Auslegung der Texte statt. In Bahá'í-Häusern der Andacht erklingt nur die menschliche Stimme (gesprochen oder gesungen), es gibt keinerlei Instrumentalmusik. Eine Auswahl von Andachtstexten finden Sie hier.

Das Europäische Bahá'í-Haus der Andacht in Hofheim-Langenhain wurde nach einem Entwurf von Dipl. Ing. Teuto Rocholl aus Frankfurt am Main als Ergebnis eines internationalen Architektenwettbewerbs erbaut. Nach einer Bauzeit von vier Jahren konnte das Gebäude im Juli 1964 der Bahá'í­-Gemeinde übergeben werden.

Der Kuppelbau hat einen Durchmesser von 48 Meter und eine Höhe von 28 Meter. Dreimal neun Pfeiler tragen die Kuppel und 27 nach oben strebende Betonelemente enden in einer Laterne, in die eine arabische Kalligraphie eingelassen ist. Der Schriftzug bedeutet "O Herrlichkeit des Allherrlichen".

Die Felder zwischen den Streben sind mit 540 rautenförmigen Fenstern durchbrochen, die das Tageslicht in einem lebhaften Spiel von Licht und Schatten hereinfluten lassen. Eine weitere Besonderheit sind die neun, in einem Rondell aus Glas eingefassten Eingänge, mit denen sowohl die Weite der Bahá'í-Lehren als auch die Transparenz der Bahá'í-Gemeinde zum Ausdruck gebracht werden. Zusätzlich kommt ein Gefühl der Verbundenheit mit der das Haus der Andacht umgebenden Natur zum Ausdruck.

Zur Eröffnungsfeier im Jahr 1964 waren Bahá'í­ aus ganz Europa anwesend. Der Sakralbau wurde ausschließlich mit eigenen Mitteln der Baha'i aus aller Welt erstellt. 1987 wurde das Gebäude vom Land Hessen in den Kreis der hessischen Kulturdenkmäler aufgenommen.

"O Versammlung der Schöpfung! Errichtet Gebäude in äußerster Schönheit in jeder Stadt, in jedem Land, im Namen des Herrn der Religionen. Schmückt sie mit dem, was ihrer würdig ist. Alsdann verherrlicht darin in Andacht den Herrn, den Gnädigen, den Barmherzigen, im Geiste des Duftes der Eintracht." Bahá'u'lláh

Technische Daten

+ Fläche des Tempelgrundstückes bei Baubeginn: 29.068 qm

+ Höhe des Grundstückes über Normal Null: 363 Meter

+ Durchmesser der Grundfläche des Umfangs: 48 Meter

+ Durchmesser der Grundfläche des Kuppelraums: 25 Meter

+ Höhe vom Erdboden: 28 Meter

+ 27 nach oben strebende Rippen inmitten 570 rautenförmiger

   Glasfensteröffnungen

+ Verglasungsfläche der Kuppel: 386 qm

+ Verglasungsfläche des Umfangs: 505 qm

+ Gewicht der mittleren Pfeilerteile: 14.000 kg

+ Gewicht der oberen Pfeilerteile: 8.000 kg

Chronologie

April 1953 Shoghi Effendi, Urenkel Bahá'u'lláhs, kündigt an, dass im Raum Frankfurt ein Haus der Andacht für die europäischen Bahá'í­-Gemeinden gebaut werden soll.

1956 Nach einem Architektenwettbewerb fällt die Entscheidung auf den Entwurf von Teuto Rocholl aus Frankfurt/M.

bis 1957 Sichtung von etwa 120 Baugrundstücken. Entscheidung für Langenhain im Taunus.

Mai 1958 Das Modell wird den Bahá'í­ und der Presse vorgestellt. Vorausgegangen waren zähe Verhandlungen über verschiedene Auflagen des Kreises.

November 1958 Erneute Ablehnung des Bauvorhabens durch den Kreis.

Dezember 1959 Nach zahllosen Verhandlungen mit 17 Ämtern wird in zwei Etappen das Gelände auf die Bahá'í­-Gemeinde eingetragen.

April 1960 Endgültige Genehmigung des Baus.

20. November 1960 Grundsteinlegung durch die Bahá'í-Persönlichkeit Amelia Collins

bis April 1961 Fertigstellung der Ausschachtungsarbeiten, Felssprengungen und Fundamente.

bis Mai 1962 Montage der vorgefertigten unteren und mittleren Pfeilerteile, Betonierung des unteren Verbindungsrings.

bis September 1962 Fertigstellung der Pfeiler, Betonierung des oberen Betonrings und Montage der 540 Dachelemente.

16. November 1962 Richtfest

bis Juni 1963 Die Verglasung der Pfeilerbeleuchtung, die Sonnenblenden an den Dachelementen und die Mosaikarbeit für die arabische Kalligraphie in der Dachkuppel werden angebracht.

September 1963 Betonierung der Transformatorenstation und Baubeginn des Hausmeisterhauses.

4. Juli 1964 Amatu'l-Baha Ruhiyyih Khanum, Ehefrau Shoghi Effendis und eine führende Bahá'í, weiht das Haus der Andacht der Einheit Gottes, der Einheit der Religionen und der Einheit der Menschheit.

2008 – 2012 Umfangreiche Renovierungsarbeiten am Bahá'í-Haus der Andacht. Bis 2009 wurde eine neue Heizungs- und Lüftungsanlage installiert, die gesamte Haustechnik wurde erneuert und die elektrisch-akustische Anlage optimiert. Danach folgten bis 2012 umfangreiche Ausbesserungsarbeiten am Natursteinboden. In den 27 Nischen zwischen Andachtsraum und Umgang wurden Glaswände und Glastüren eingebaut, die den Blick nahezu ungehindert freigeben auf die Natur bzw. die den Tempel umgebende Gartenanlage. Die Abtrennung aus klaren Glasscheiben verstärkt den Eindruck der Offenheit des Gebäudes nach allen Seiten hin, während sich zugleich die Betenden und Meditierenden in einem abgeschlossenen Raum befinden und weit weniger durch Lärm und Geräusche von außen gestört werden.