Vorurteile
Vorurteile sind "kritiklos, ohne persönliche Urteilsbildung oder Erfahrung übernommene Meinungen, die einer sachlichen Argumentation nicht standhalten" (Definition: Brockhaus).
Wenn wir Vorurteile haben, überprüfen wir objektive Tatsachen nicht sorgfältig und differenzieren nicht. Dies kann zu Ablehnung, Konflikt und Streit bis hin zu Krieg führen.
'Abdu'l-Bahá lehrt "dass religiöse, rassische, politische, wirtschaftliche und vaterländische Vorurteile den Bau der Menschheit zerstören. Solange diese Vorurteile herrschen, wird die Menschenwelt keine Ruhe finden.
Über einen Zeitraum von 6000 Jahren berichtet uns die Weltgeschichte. Während dieser 6000 Jahre war die Menschenwelt nie frei von Krieg, Streit, Mord und Blutgier. Zu jeder Zeit wurde in diesem oder jenem Land Krieg geführt; der Krieg entstand entweder aus religiösem Vorurteil oder aus rassischem Vorurteil, aus politischem Vorurteil oder aus vaterländischem Vorurteil."
('Abdu'l-Bahá, Briefe und Botschaften, 227:11)
Religion sollte uns dazu anleiten, Vorurteile abzulegen ("Liebe deinen Nächsten"):
"Gehen Vorurteile und Feindseligkeiten auf das Konto der Religion, so bedenkt, dass die Religion zu Freundschaft führen muss; andernfalls ist sie unnütz."
('Abdu'l-Bahá, Briefe und Botschaften, 227:12)
Um neue Wege des Denkens und Handelns beschreiten zu können, müssen wir unsere Vorurteile ablegen. Ein wesentliches Prinzip der Bahá'í-Lehren ist daher die selbständige Suche nach Wahrheit. Durch sie wird es möglich, das Denken in Vorurteilen endgültig zu überwinden und damit den Fortschritt der Menschheit nachhaltig zu sichern.
"Der Mensch muss sich von allen Vorurteilen und von den Ergebnissen seiner eigenen Einbildung trennen, so dass er zum ungehinderten Suchen nach Wahrheit fähig werde. Die Wahrheit ist eine in allen Religionen, und durch sie vermag die Einigkeit der Welt zur Tat zu werden."
('Abdul'-Bahá, Ansprachen in Paris, S. 101)
"Der Ruf Bahá'u'lláhs ist in erster Linie gegen jede Art von Provinzialismus, jede Engstirnigkeit, jedes Vorurteil gerichtet. Wenn lang gehegte Ideale, wenn altehrwürdige Institutionen, wenn gesellschaftliche Postulate und religiöse Glaubensbekenntnisse das Wohl der Gesamtheit aller Menschen nicht mehr fördern, wenn sie den Bedürfnissen einer sich ständig entwickelnden Menschheit nicht länger gerecht werden, dann fegt sie hinweg und verbannt sie in die Rumpelkammer veralteter und vergessener Doktrinen!"
(Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá'u'lláhs, S. 69)

