Wie steht die Bahá'í-Religion zum Islam?
Das Verhältnis der Bahá’í-Religion zum Islam ist vergleichbar mit dem des Christentums zum Judentum. So wie das Christentum als innerjüdische Bewegung entstanden und aus jüdischen Wurzeln hervorgegangen ist, wurde der Bahá'í-Glaube in islamischer Umgebung geboren. Beide Religionen sind aber heute als eigenständige und unabhängige Offenbarungsreligionen anerkannt.
So wie die Christen das "Alte Testament" in ihre Bibel integriert haben, erkennen die Bahá’í den göttlichen Ursprung des Islam an und verehren den Koran neben Bahá’u’lláhs Schriften als Gotteswort. Doch haben die Gesetze des Koran keine Bindung mehr für sie, sondern sie folgen dem neuen Gottesgesetz Bahá’u’lláhs, das in vielen Aspekten des täglichen Lebens und der Ausübung der Religion von denen des Islam deutlich abweicht.
In der Bahá’í-Religion steht mit Bahá’u’lláh eine neue Stiftergestalt im Mittelpunkt, sie verfügt über eigene heilige Schriften und über eigene Anweisungen für das religiöse Leben des Einzelnen sowie der Gemeinde. Somit ist die Bahá’í-Religion eine nach-islamische Offenbarungsreligion.
Ist die Bahá'í-Religion nicht eine Abspaltung vom Islam?
Das Höchste Religiöse Gericht in Ägypten erklärte 1925, dass der Bahá'ì-Glaube als völlig unabhängig vom Islam und seinem Gesetz zu sehen ist. Dieses Urteil einer islamischen Instanz stellt den Anfang einer Entwicklung dar, die dazu führte, dass der Bahá'í-Glaube als eines der unabhängigen anerkannten religiösen Systeme der Welt universal anerkannt wird. Aufgrund von weitverbreiteten Fehldarstellungen und systematischer Unterdrückung des Bahá'ì-Glaubens in islamisch dominierten Ländern ist es eine noch andauernde Herausforderung, der Bevölkerung und den geistlichen und weltlichen Einrichtungen ein klares Bild vom Wesen und den Zielen des Glaubens zu vermitteln.
