Nationaler Geistiger Rat

Ein Nationaler Geistiger Rat ist die oberste administrative Körperschaft der Bahá’í-Gemeinde eines Landes. Er trägt die Verantwortung für die nationale Bahá’í-Gemeinde.

Er steht in enger und ständiger Verbindung mit dem Bahá’í-Weltzentrum und informiert die Bahá’í seines Landes über Ereignisse, Projekte und Entwicklungen aus der Bahá’í-Weltgemeinde. Er fördert die geistige und moralische Entwicklung der Gemeindemitglieder, indem er z.B. entsprechende Kurse (Ferienkurse, Institutskurse) anbietet, die der Vertiefung von Wissen und Verständnis der geistigen Wahrheiten des Glaubens dienen. Er lenkt und berät die Örtlichen Geistigen Räte in ihrer Arbeitsweise und bei der Erfüllung ihrer Aufgaben auf örtlicher Ebene.

"Er ist der vertraute Hüter jeder nationalen Gemeinschaft in der Bahá’í-Welt und die Triebfeder ihrer mannigfaltigen Tätigkeiten und Interessen."

(Shoghi Effendi, zit. in: Geistige Räte - Häuser der Gerechtigkeit, S. 39)

Zur Unterstützung bei der Durchführung der vielfältigen Aufgaben benennt der Nationale Geistige Rat verschiedene Ausschüsse, die ihm in den einzelnen Aufgabengebieten zuarbeiten.

So unterhält der Nationale Geistige Rat der Bahá'í in Deutschland eine Vertretung in Berlin, welche Kontakte zur Regierung sowie zu Nicht-Regierungsorganisationen pflegt. Er führt mit gleichgesinnten Organisationen gemeinsame Projekte durch, darunter Einrichtungen zur Förderung des interreligiösen Dialogs oder soziale Entwicklungsprojekte. Als mediales Sprachrohr für die gesellschaftlichen Anliegen des Bahá’í-Glaubens dient zudem das Bahá’í Büro für Öffentlichkeitsarbeit am nationalen Zentrum in Hofheim-Langenhain.

Ein Nationaler Geistiger Rat besteht aus neun Mitgliedern, die jeweils in geheimer Wahl für eine einjährige Amtsperiode gewählt werden. Die Wahl erfolgt während der alljährlich Ende April, in der Ridvan-Zeit (siehe: Bahá’í-Feiertage) stattfindenden Nationaltagung. Für jede neue Amtsperiode wählt der Nationale Geistige Rat seinen Vorstand, bestehend aus Vorsitz, stellvertretendem Vorsitz, Schatzmeister und Sekretär. Abgesehen von wenigen Ausnahmen arbeiten die Mitglieder von Bahá’í-Institutionen ehrenamtlich.

Derzeit gibt es weltweit 182 Nationale Geistige Räte.

In Deutschland wurde erstmals im Jahre 1923 ein Nationaler Geistiger Rat gewählt. Heute hat dieser seinen Sitz in Hofheim-Langenhain im Taunus. Im dortigen nationalen Bahá’í-Zentrum kommt der Nationale Geistige Rat regelmäßig zur Beratung zusammen.

Europäisches Haus der Andacht, Langenhain
Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í in Deutschland 2006