Weltreligionen rufen G8-Staaten zu Armutsbekämpfung, Klimaschutz und Frieden auf
Kanada, 24. Juni - Kurz vor dem G-8- und G-20-Gipfel in Kanada fordern die Weltreligionen die Staats- und Regierungschefs in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, bei der Beseitigung von Armut, dem Klimawandel und dem Beenden gewaltsamer Konflikte „mitreißende Führung zu ergreifen und Entscheidungen zu treffen“.

Susanne Tamas, Mitte, vertrat beim World Religions Summit 2010 die Bahá’í-Gemeinde Kanadas. Links von ihr sitzt Rabbiner Adam Scheier vom Canadian Jewish Congress, und rechts von ihr, Commissioner William W. Francis, Territorial Commander der Heilsarmee in Kanada und Bermuda. Foto: Louis Brunet.
Kanada, 24. Juni – “Wir fordern die politischen Führer dazu auf, sich vorrangig um die Verletzlichsten unter uns zu kümmern, allen voran um unsere Kinder, gemeinsam die unmenschlichen Geißeln der Armut und Ungerechtigkeit zu bekämpfen und den Schutz unserer gemeinsamen Umwelt, der Erde, zu fördern“, heißt es in der Schlusserklärung des dreitägigen World Religions Summit 2010 im kanadischen Winnipeg. „Indem wir unsere gemeinsame Menschlichkeit und das Gebot, alle Menschen würdevoll zu behandeln, anerkennen, bestätigen wir, dass kein Mensch mehr oder weniger wert ist, als ein anderer“, heißt es.
Das diesjährige Treffen der Weltreligionen war das sechste im Vorfeld eines G8- Treffens. Mehr als 80 Teilnehmer aus über 20 Ländern und aus allen großen Weltreligionen nahmen daran teil, darunter auch erstmals Vertreter der Bahá’í-Gemeinde. Aus Deutschland nahmen der Aachener Weihbischof Johannes Bündgens für die Deutsche Bischofskonferenz, Oberkirchenrat Dr. Martin Affolderbach für die Evangelische Kirche in Deutschland, Hannover, und Pfarrer Jürgen Reichel aus Bonn sowie Dr. Uta von Both für die Bahá’í-Gemeinde Deutschland teil. Die Bahá’í waren überdies mit Vertretern aus fünf weiteren Ländern anwesend.
Der Generalsekretär des Treffens und ehemalige Vorsitzende der evangelischen United Church of Canada, Dr. James Christie, sagte, das Treffen und sein Ergebnis richte sich an die Führer der G8, da sie diejenigen Staaten vertreten, die in der Welt den wirkungsvollsten Wandel erzeugen könnten. „Es ist eine Tatsache, dass diese Nationen Geld und Einfluss haben und etwas bewegen können“, so Dr. Christie.
„Wir leben in einer sehr kritischen geschichtlichen Phase“, äußerte sich auch seine Heiligkeit Aram I., Katholikos der Armenischen Apostolischen Kirche aus dem Libanon. „Ich glaube, es ist wichtig, Gemeinschaften zu schaffen. Es geht nicht nur um ein friedliches Nebeneinanderherleben. Es geht darum, integrierende Gemeinschaften aufzubauen mit echter Vielfalt, andere zu respektieren und zu akzeptieren und mit ihnen zusammenzuleben. Wir müssen der G8 und der Welt berichten, dass wir nicht nur miteinander sprechen, sondern zusammen am Aufbau von echten Gemeinschaften mitwirken“, sagte er.
Die Schlusserklärung fordert die politischen Führer auf, „mutig“ und „konkret“ zu handeln. Zum Thema Armut heißt es, dass eine Milliarde Menschen unter chronischer Unterernährung leiden. Frauen, Kinder und Indigene seien am stärksten von Hunger betroffen. Zum Umweltschutz heißt es, dass alle religiösen Traditionen „uns dazu aufrufen, sorgsam mit der Erde umzugehen“. Die Stellungnahme warnt vor den Folgen des Klimawandels und fordert „kühne Taten“. Auch werden die Regierungen aufgefordert, die Aufrüstung mit Nuklearwaffen zu stoppen und neue Investitionen zu tätigen, um eine „Kultur des Friedens“ zu schaffen. Der Gipfel verurteilte auch religiös motivierten Terrorismus und Extremismus. Die religiösen Führer verpflichteten sich dazu, „aufzuhören, Gewalt zu lehren und den Einsatz von Gewalt zwischen unseren Glaubensgemeinschaften zu rechtfertigen.“
Die Vertreterin der kanadischen Bahá’í-Gemeinde kommentierte die Erklärung mit den Worten, dass die Bahá’í an die Notwendigkeit glaubten, „mit geistigen Prinzipien die Herausforderungen wie Armut, Umwelt, Frieden und Sicherheit zu begegnen“. Es müsse ein Raum geschaffen werden, „in dem politische Führer reflektieren und langfristige und auf das Gemeinwohl abzielende Entscheidungen treffen können statt kurzfristigen, nationalen Belange nachzukommen.“ Sie sagte auch, dass die Bahá’í anwesend seien, um zu lernen. „Denn die Aufgaben sind komplex und wir müssen lernen, was andere Religionen dazu sagen.“
Die Schlusserklärung wurde dem kanadischen Regierungsmitglied, Minister Steven John Fletcher, überreicht. Fletcher sagte zu, die Erklärung dem kanadischen Premierminister Stephen Harper zu überreichen. Dieser würde sie den Staats- und Regierungschefs der G8 vorlegen.
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