Sonntag, 08. November 2009

Studienkonferenz der Gesellschaft für Bahá’í-Studien

Langenhain, 8. November 2009 - Die 4. Bahá’í-Studienkonferenz, zu der die Gesellschaft für Bahá’í-Studien e.V. (GBS) ins Nationale Bahá‘í-Zentrum in Langenhain einlud, stand unter dem Thema „Ökonomie und Politik im Lichte der Bahá’í-Lehren“. In diesem Rahmen hielt Dr. Bidjan Sobhani aus Berlin vor 200 Teilnehmern einen Impulsvortrag unter dem Titel „Was will Wirtschaft wirklich?“. In seinen Ausführungen verglich er die Unzulänglichkeiten des derzeit vorherrschenden Wirtschaftssystems mit einem erkrankten Organismus.

Dr. Bidjan Sobhani/GBS-Tagung am 07. November 2009

„Das Leben ist durchzogen von Wirtschaft und Wirtschaftlichkeit gilt als eine der höchsten Tugenden einer Gesellschaft, in der die Menschen unaufhörlich bemüht sind, die Wirtschaft am Leben zu halten“ referierte Dr. Sobhani. „Eigentlich sollte es aber umgekehrt sein: Die Wirtschaft sollte die Mittel bereitstellen, um den Menschen ein Leben im Gleichgewicht zu ermöglichen. Wirtschaftlichkeit, oftmals auch Effizienz genannt, kann kein Selbstzweck sein.“

Erst wenn ein Ziel feststehe, so Sobhani, könne Effizienz bewertet werden. Es wäre zwar wirtschaftlicher, eine Reise von 100 km für 50 € anstatt für 100 € zurückzulegen. Wenn man aber in Berlin ankomme, obwohl man nach Hannover wolle, werde klar, dass Wirtschaftlichkeit allein kein handlungsleitendes Prinzip sein könne.

„Verzichtet man darauf, die Frage nach dem Ziel und Sinn menschlichen Daseins in wirtschaftliche Betrachtungen einzubeziehen“, erläuterte Dr. Sobhani, „so rücken Wirtschaftlichkeit, Wettbewerb und Wachstum automatisch an ihre Stelle. Gesellschaftliche Gesundheit und Entwicklung jedoch kann auf Basis dieser eingeengten Weltsicht nicht hergestellt werden.“

In seinen weiteren Ausführungen ging Dr. Sobhani auf das religiös geprägtes Weltbild ein, wie es z.B. in der Bahà´í-Religion zu finden ist. Die Menschheit werde hier als ein einziges Lebewesen, als ein Organismus betrachtet. Die Aufgabe von Wirtschaft bestehe darin, diesen globalen Organismus mit materiellen Gütern zu versorgen, so dass er in einem gesunden Gleichgewicht leben und sich entwickeln könne.

„Von diesem Zustand sind wir heute noch weit entfernt. So wie gesundheitliche Probleme einzelner Organe des menschlichen Körpers den ganzen Menschen und seine Entwicklungsfähigkeit in Mitleidenschaft ziehen, so wird die Menschheit keinen wirklichen Fortschritt erzielen, solange die bestehenden Ungleichgewichte nicht 'geheilt' werden. Denn Ungleichgewichte im menschlichen Körper nennen wir 'Krankheiten', erklärte er.

Auch das Bahá’í-Menschenbild stehe in enger Verbindung mit dem Thema Wirtschaft. Das Wirtschaftssystem werde von seinen individuellen Elementen, den Menschen und ihrer Orientierung, geprägt. An die Stelle von Wirtschaftlichkeit im Sinne von "Nehmen ist seliger denn geben" müsse Dienen im Sinne von "Geben ist seliger denn nehmen" treten. Wenn das Ziel darin bestehe, Loslösung von materiellen Werten durch sein Wirken in dieser materiellen Welt zu erlangen, dann müsse auch Effizienz und Wirtschaftlichkeit an diesem Ziel ausgerichtet werden.

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