Montag, 02. November 2009

Prof. Hutter über Bahá'u'lláh, Buddha und Krishna in Südasien

Bonn, 2. November 2009 - Der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Manfred Hutter, einer der besten Kenner der Bahá'í-Religion, sprach auf Einladung der Bonner Gemeinde am Freitag im Bahá'í-Forum Bonn. Sein Fokus war dabei Südasien, insbesondere Indien – mit zwei Millionen Bahá'í die Heimat von rund einem Drittel aller Bahá'í weltweit. Wie kam es zu dieser Verbreitung einer ursprünglich iranischen Religion in Südasien?

Der indische Lostustempel: ein Zeichen der Inkulturation

Hutter zeigte auf, dass es der indischen Bahá'í-Gemeinde gelungen ist, die phänomenologische Einheit der Religionsstifter, wie sie die Bahá'í-Theologie lehrt, in Bildern zu erklären, die sich in eine hinduistische Glaubenswelt einfügen lassen. So bezeichneten indische Bahá'í den Religionsstifter Bahá'u'lláh – nach Bahá'í-Theologie eine Manifestation Gottes – manchmal auch als Avatara, einem Sanskrit-Begriff des Hinduismus. Auch wenn das Konzept der Manifestation Gottes dem des Avatara nicht ganz entspreche, biete es doch dem Hindu eine gute Brücke zum Verständnis der Bahá'í-Theologie, weil es an Bekanntem anknüpfe. Die Theologie der Bahá'í geht davon aus, dass auch Buddha und Krishna aus derselben göttlichen Quelle schöpfen wie die Religionsstifter der abrahamitischen Religionen. Durch neue Offenbarungsimpulse, neue Religionsstiftungen, wird die Religion immer wieder den aktuellen Bedürfnissen der Menschheit angepasst. Davon spricht auch die hinduistische Bhagavad Gita, wenn sie sagt, dass sich Gott in jedem Zeitalter in einem neuen Avatara zeigt, einem Vorbild und Lehrer auf dem Weg zum Göttlichen.

Eine Analyse der Übersetzungen der Heiligen Schriften der Bahá'í in die indische Sprache Hindi zeige das Bemühen, so Hutter, darin eine gehobene Sprachform des Hindi zu verwenden, die eine große Anzahl von Lehnwörtern aus dem Sanskrit enthält, womit die Bahá'í-Texte als religiöse Texte charakterisiert werden. Das hänge damit zusammen, dass man auch das Verständnis einer hinduistischen Leserschaft im Blick habe. Diese Inkulturation zeige sich auch in anderen Aspekten des Gemeindelebens, etwa dem Gesang, der an die Traditionen Indiens anknüpfe, aber auch der Symbolik, die sich die Gemeinde zu eigen mache. Schließlich sei es kein Zufall, dass das indische Gotteshaus der Bahá'í-Gemeinde die Form einer Lotosblüte habe, ein Symbol, das in allen Religionen Indiens gefunden werde. Das in der Bahá'í-Welt üblicherweise als „House of Worship“ bezeichnete Bauwerk sei unter den Einheimischen einfach als Lotustempel bekannt, und knüpfe mit dieser Bezeichnung an andere in der indischen Bevölkerung bekannte Sakralbauten an.

Dem Bahá'í-Publikum erschloss sich durch Hutters religionswissenschaftliche Perspektive eine neue Sicht auf den eigenen Glauben. So wurde etwa klar, dass aus religionswissenschaftlicher Perspektive die gelebte Vielfalt der eigenen Religion – die sich nicht nur einem Kulturkreis verbunden fühlt, sondern verschiedene theologische Hintergründe in sich zu vereinen weiß – entscheidend dazu beiträgt, dass man sie als Weltreligion bezeichnen kann.

Manfred Hutter veröffentlichte 2009 ein umfassendes Standardwerk mit dem Titel „Handbuch Bahá'í“ bei Kohlhammer.

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