Norwegischer Komponist gewinnt wichtigen Musikpreis
Oslo, 7. Juli 2010 - Seit seinem Durchbruch als Komponist vor mehr als 30 Jahren sucht Lasse Thoresen nach einer neuen Musikstilrichtung, die die verschiedenen Kulturen der Welt zusammenführt. Nun hat eines seiner innovativen Vokalwerke den angesehenen Nordic Council Music Prize gewonnen.

Lasse Thoresen, dessen Vokalwerk Opus 42 ausgezeichnet wurde. Foto: Musikkinformasjonssenteret MIC/Lisbeth Risnes.
Thoresens Stück trägt den schlichten Titel Opus 42. Es verbindet altertümliche und moderne skandinavische Volksmusik mit Klängen des Nahen Ostens. "Dieses außergewöhnlich schöne Stück zeigt Gemeinsamkeiten zwischen historischen und ultra-modernen Klängen auf und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Ähnlichkeiten zwischen skandinavischen Volkstraditionen und Musik, wie wir sie beispielsweise im Nahen Osten oder in Indien vorfinden", heißt es so auch in der Begründung der Jury. Thoresens Werk sei nicht nur eine Erneuerung nordischer Vokalmusik, sondern von auf Noten basierender Vokalmusik ganz allgemein.
"Es gibt in der skandinavischen Volksmusik ganz ähnliche Tonabfolgen wie in der Musik des Ostens", erklärt der Preisträger selbst. "In keiner von beiden ist die Harmonie jedoch so vervollkommnet wie in der klassischen Musik des Westens."
Opus 42
Thoresens Werk verkörpert auch den traditionellen Übertongesang der Mongolei, in der der Sänger die erzeugte Resonanz manipuliert, während die Luft von der Lunge zu Mund und Nase aufsteigt. "Es dauert ein paar Jahre, dies zu erlernen", erläutert Thoresen. "Der Sänger muss eine ganz neue Stimmbildung erhalten. Daher war es Teil des Projekts, ein Trainingssystem für diese Technik zu entwickeln."
Der Komponist hält es zudem für wichtig, kulturelle Vielfalt als eine Ressource anzusehen und nicht als Bedrohung: "Auch wenn man seiner eigenen kulturellen Prägung nicht entkommen kann, so kann man doch andere kulturelle Empfindlichkeiten in gewissem Maße nachfühlen und sie in seinem eigenen kulturellen Umfeld spiegeln. So wird ein Beispiel friedlicher Koexistenz kultureller Vielfalt erzeugt."
Der Preis hat für Thoresen schon jetzt einige Türen geöffnet. Geplant sind beispielsweise neue Kooperationen mit den Musikfestivals und ein paar Fernsehproduktionen.
"Konzertagenturen sind immer sehr zurückhaltend, wenn es um die Aufführung zeitgenössischer Werke geht. Sie befürchten, dass der halbe Saal wegläuft", meint der Preisträger. "Deshalb ist es sehr hilfreich, wenn man sich als Komponist schon einen Namen gemacht hat."
Der Preis ist mit 350.000 Dänischen Kronen (rund 47.000 Euro) dotiert. Neben Thoresen beteiligten sich 12 weitere Komponisten an dem Wettbewerb.
Hintergrund
Lasse Thoresen wurde 1949 in Oslo geboren. Er liebt Musik seit er denken kann. Mit sieben Jahren erhielt er Klavierunterricht, mit 15 begleitete er den Schulchor und mit 16 komponierte er sein erstes Stück. 1971 nahm er den Bahá’í-Glauben an.
Im Laufe seiner Karriere wurde er zum Professors an der Norwegian State Academy for Music berufen. Im Mai 2001 wurde sein Oratorium anlässlich der Einweihung der Gartenterrassen, die die heiligen Stätten der Bahai auf dem Berg Karmel in Haifa, Israel, umgeben, aufgeführt.
Professor Thoresen arbeitet derzeit an einem großen Werk für den lettischen Radiochor, einem der anerkanntesten Chöre der Welt und wird mehr als ein Jahr lang an einem Konzert für Viola arbeiten, welches 2012 uraufgeführt wird.
