Klimakonferenz Kopenhagen
Kopenhagen, 17. Dezember 2009 – Die ethische Dimension des Klimawandels wird bei der Kopenhagener Konferenz stärker diskutiert, sagen Mitglieder der Bahá’í-Delegation.

Pressekonferenz mit den Repräsentanten der Weltreligionen beim Kopenhagener Klimagipfel, 9. Dezember 2009
"Bisher sprach nur eine kleine Gruppe über die moralischen und ethischen Aspekte des Klimawandels – jetzt sind sie Gegenstand der Debatten in Kopenhagen", sagte Duncan Hanks, Geschäftsführer der kanadischen Bahá’í International Development Agency.
"Referenten sprechen über solche Aspekte, sie werden in den Fluren diskutiert und auf Transparenten gefordert, wie beispielsweise ‚Klimagerechtigkeit – jetzt’", sagte er.
Peter Adriance, ein weiteres Mitglied der Bahá’í-Delegation sagte, dass die Betonung von Ethik und Gerechtigkeit dazu geführt habe, dass vielen in Kopenhagen bewusst geworden sei, dass Klimawandel in einem größeren Rahmen gesehen werden muss, jenseits innenpolitischer Fragestellungen.
"In Umweltfragen sind die örtliche, nationale und internationale Ebene sehr stark miteinander verwoben", sagte er. "Wenn der Repräsentant eines Landes sagt: 'Ich werde keine Maßnahmen ergreifen, um den Ausstoß von Kohlendioxid zu verringern, weil dies unserer Wirtschaft schadet', stellen mehr und mehr Menschen die logische Frage: 'Heißt das, dass Ihre Verantwortung an Ihrer Grenze aufhört?' Die Diskussion des Klimawandels führt zur Frage der ethisch begründeten Verpflichtungen jeder einzelnen Nation gegenüber allen anderen Nationen."
Die Konferenz der Vereinten Nationen will ein neues internationales Abkommen zur Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen und anderer Treibhausgase erzielen. Ein solches Abkommen würde das Kyoto-Protokoll ablösen, welches 2012 abläuft.
Neben Regierungsvertretern und Verhandlungspartnern aus 192 Ländern nehmen Mitglieder internationaler Organisationen, Medienvertreter und Vertreter weiterer Organisationen, Umweltgruppen und Firmen teil.
Die Delegation der Internationalen Bahá’í-Gemeinde, die bei den Vereinten Nationen als Nicht-Regierungsorganisation akkreditiert ist, besteht aus etwa 20 Personen.
Tahirih Naylor, eine Bahá’í-Repräsentantin bei den Vereinten Nationen, sagte, dass viele Probleme, die man bei der Konferenz gesehen habe, auf die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit zum Schutz der Umwelt weisen.
"Den Klimawandel anzugehen erfordert, das Wohlergehen der ganzen Menschheit über den eigennützigen Nationalismus zu stellen", sagte sie. "Die Erkenntnisse der Wissenschaft sollten nicht zugunsten politischer Ziele verzerrt werden. Auch wenn man über die Ursachen des Klimawandels unterschiedlicher Meinung sein kann, so ist klar, dass Umweltschutz nicht nur in technischen und wirtschaftlichen Parametern gesehen werden muss, sondern auch als moralische und ethische Herausforderung für die gesamte Menschheit."
Sie betonte, dass die Aussagen von Regierungsvertretern, Vertretern der Zivilgesellschaft und anderer zunehmend auf die Wichtigkeit von Gerechtigkeit und Moral Bezug nehmen.
Bei einer Pressekonferenz zur Erklärung der Religionen zum Klimawandel erläuterte T. Naylor letzte Woche in Kopenhagen, dass es "für die Religionen entscheidend ist, sich in Umweltfragen zu verbünden, die Führer der Welt aufzufordern, Maßnahmen zu ergreifen, sowie innerhalb der eigenen Gemeinden tätig zu werden."
"Durch den Klimawandel wird die Menschheit vor die Herausforderung gestellt, in Richtung kollektiver Reife voranzuschreiten", sagte sie. "Diese Reife erfordert von uns die Einsicht, dass wir eine Einheit bilden, dass wir eine Menschheit sind, die auf einem endlichen Planeten lebt und dass wir alle Brüder und Schwestern sind."
"Das Ringen um Klima-Gerechtigkeit kann nicht ein Wettbewerb um begrenzte Ressourcen sein", sagte sie, "sondern Teil eines Prozesses größerer Einheit zwischen den Nationen." Bei der Gipfelkonferenz in Kopenhagen, die am Freitag endet, sponsorte die Internationale Bahá’í-Gemeinde eine Reihe von Veranstaltungen und nahm an weiteren Veranstaltungen teil, darunter:
-- Eine Podiumsdiskussion zum Thema "Die Rolle der Religionen im Kampf gegen den Klimawandel" im Kopenhagener Bahá’í-Zentrum am 8. Dezember mit Bent Melchior, dem ehemaligen obersten Rabbi der dänischen jüdischen Gemeinde, Ole Birch, Vikar und Vorsitzender der Klimagruppe des nationalen Rates der Kirchen in Dänemark, und Peter Adriance von der Internationalen Bahá’í-Gemeinde.
-- Eine Pressekonferenz am 9. Dezember zur Erklärung der Religionen, in der die gemeinsamen Überzeugungen verschiedener Glaubensgemeinschaften vorgebracht wurden, wie der Klimawandel aufgehalten werden kann. Hieran nahm auch T. Naylor teil.
-- Eine Pressekonferenz über "Klima & Ethik" des "Collaborative Program on the Ethical Dimensions of Climate Change", moderiert von P. Adriance. Bahá’í-Delegierte hatten das Statement der Gruppe mitformuliert.
-- Eine Podiumsdiskussion zu den "moralischen und ethischen Dimensionen des Klimawandels" im Klimaforum09 am 12. Dezember mit Don Brown, Professor für Umweltethik, Wissenschaft und Recht an der Pennsylvania State University, Philo Morris, Repräsentantin der Medical Mission Sisters aus Indien, und Dr. Arthur Dahl, ein Bahá’í und ehemaliger Beamter des UN Umweltprogramms.
-- Eine Veranstaltung am Vorabend der Konferenz, die "Climate Sustainability Platform" vom 3. bis 6. Dezember in der Climate Expo in Kopenhagen, das von der Uchita de Zoysa aus Sri Lanka organisiert worden war. Vier Mitglieder des Bahá’í-inspirierten Umweltforums, Sylvia Karlsson-Vinkhuyzen, Victoria Thoresen, Onno Vinkhuyzen und Dr. Dahl, hatten daran teilgenommen.
- 06. November 2009
Große Weltreligionen präsentieren geplante Umweltschutz-Maßnahmen
- 30. Oktober 2009
Bahá’í schließen sich dem globalen Plan an, einen “Generationswechsel” im Klimawandel herbeizuführen
- 24. September 2009
"Ethik ist die fehlende Dimension in der Klimadebatte"
