Geburt inmitten der Trümmer auf Haiti
Port-au-Prince, 5. Februar 2010 – Die kleine Tina Rose Wome wurde am 28. Januar in einem zur Klinik umfunktionierten Klassenzimmer der Anis Zunuzi Bahá’í-Schule am Stadtrand von Port-au-Prince geboren.

Ein Arzt untersucht Tina Rose Wome kurz nach ihrer Geburt in einer Bahá'í-Schule in Port-au-Prince.
Ein Ärzte- und Schwesternteam assistierte bei der ersten Geburt in einem Klassenraum der vor über dreißig Jahren gegründeten Schule.
Die Geburt war auch deshalb bemerkenswert, weil Magdalah Wome schon drei Kinder ausgetragen hat, von denen keines die Geburt überlebte. Tina Rose ist das erste Kind, welches sie mit nach Hause nehmen kann – in ein Zelt, das vor dem Schutt aufgeschlagen ist, wo vorher ihr Haus stand.
Internationale Hilfsorganisationen berichten, dass die Folgen des Erdbebens, das Port-au-Prince am 12. Januar verwüstete, mit die größte Herausforderung ist, mit der sie je zu tun hatten. Abgesehen von den unzähligen Todesopfern soll sich die Zahl der Obdachlosen auf eine Million belaufen.
"Alles ist zehnmal schlimmer als das, was im Fernsehen gezeigt wird", sagt Dr. Munirih Tahzib, eine Kinderärztin aus New Jersey, die die ärztliche Versorgung mitorganisiert. "Wir begegnen Menschen, deren ganze Familie ausgelöscht und deren Haus zerstört wurde. Trotzdem machen sie irgendwie weiter. Dies gibt auch uns die Kraft weiterzumachen."
In vielen Berichten wird das Durchhaltevermögen der Bevölkerung von Haiti hervorgehoben. "Die Haitianer sitzen nicht nur mit ausgestreckter Hand da", hieß es in der Zeitschrift Time Magazine. "Sie graben die Überlebenden mit bloßen Händen aus, nicht mit großen gelben Baggern."
Das 18 Personen zählende Team, das u. a. Tina Rose entband, stammt aus den USA und Kanada. Sie kamen nach Haiti, um Medikamente zu liefern und um bei ihrem einwöchigen Aufenthalt so viele Menschen wie möglich zu behandeln. Ein weiteres Ziel war es, die Menschen vor Ort zu schulen, Infektionen zu erkennen und zu behandeln und den Bedarf weiterer Medikamente zu ermitteln.
Die 18 freiwilligen Helfer, von denen viele Bahá’í sind, schlugen ihr Zelt im Schulhof der Anis-Zunuzi-Schule auf und richteten in noch intakten Klassenzimmern eine improvisierte Klinik ein.
Die Rektoren der Schule, Yves und Susanna Puzo, verloren durch das Erdbeben ihr Haus. Sie organisierten die Versorgung des Ärzteteams, darunter zwei Kinderärzte, zwei Chirurgen, vier Gynäkologen, ein Spezialist für Intensiv-Medizin, ein Allgemeinarzt, eine Krankenschwester, eine Atemweg-Therapeutin und ein Medizinstudent.
Nach ihrer Rückkehr nach Hause nahm die Gruppe bereits Beratungen auf, wie sie den Haitianern, darunter auch der Bahá’í-Gemeinde vor Ort, langfristig helfen kann, ihr Land wiederaufzubauen.
