Die heilsamen Wirkungen des religiösen Fastens
Langenhain, 2. März - Dr. med. Bernardo Fritzsche, Allgemeinarzt mit eigener Praxis in Korbach, beschäftigt sich schon seit Jahren mit verschiedenen Facetten des Fastens. 2008 erschien im Patmos Verlag sein Buch „Religiöses Fasten - Gesundheit für Leib und Seele“. In einem Vortrag der Veranstaltungsreihe Forum Langenhain stellte Dr. Fritzsche am 28. Februar seine neuesten Erkenntnisse und Einsichten vor.

Dr. Bernardo Fritzsche, Korbach
„Alle großen Religionen kennen Fastenzeiten und Fastenvorschriften“, erläuterte Dr. Fritzsche zum Einstieg und fasste kurz die Fakten zum Fasten zusammen: Im Judentum (Jom Kippur), Christentum (Fastenzeit vor Ostern), Islam (Ramadan) und auch im Buddhismus und Hinduismus gibt es regelmäßig wiederkehrende Fastentage bzw. -zeiten. In der Bahá'í-Religion, so Dr. Fritzsche, heißt es, dass man aus Liebe zu Gott beten und fasten sollte, nicht aus Pflichtbewusstsein oder gar aus Angst vor Strafe.
„Man kann das religiöse Fasten nicht losgelöst vom Menschenbild betrachten“, sagte Dr. Fritzsche. „Der Mensch ist ein geistiges Wesen. Er fühlt sich nur dann zufrieden und im Einklang mit sich selbst und der Welt, wenn er sich dessen bewusst wird und auch seine seelischen Bedürfnisse erkennt. In buddhistischer Terminologie heißt dies Erleuchtung oder man kann auch von Gottesnähe sprechen“, so Dr. Fritzsche.
Auf der materiellen bzw. körperlichen Ebene, werden laut Dr. Fritzsche vor allem die sogenannten Risikofaktoren, die das Auftreten von unterschiedlichsten Krankheiten wahrscheinlicher machen, positiv beeinflusst. Ein zeitlich befristeter Verzicht macht uns beispielsweise bewusst, was wir im Laufe eines Tages so zu uns nehmen, um uns wohler zu fühlen oder zufriedener zu sein. „Wir wissen aber, dass Momente der Befriedigung kurz sind und nicht vorhalten“, so Dr. Fritzsche. „Aus der Suche nach Wohlbefinden werden leider allzu oft schädliche Gewohnheiten bzw. Sucht“. Das Fasten fördere daher Unabhängigkeit, Willenskraft und Zufriedenheit.
Bei der sich anschliessenden Gesprächsrunde gab Dr. Fritzsche wertvolle Tipps, was in individuellen gesundheitlichen Situationen zu beachten ist oder wann nicht gefastet werden sollte.
Hintergrund:
Am 2. März beginnt für die Bahá'í die Fastenzeit. Sie erstreckt sich über den letzten Monat des Bahá'í-Kalenders und endet am 21. März mit dem Neujahrsfest. Ähnlich wie im muslimischen Monat Ramadan enthalten sich die Bahá'í von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang des Essens und Trinkens. Anders als beim Ramadan wandert der Fastenmonat jedoch nicht durch das Jahr, sondern liegt immer zwischen dem 2. bis 21. März. Vom Fasten ausgenommen sind beispielsweise Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren, Kranke, schwangere und stillende Frauen, aber auch Reisende oder Menschen, die schwere körperliche Arbeiten verrichten.
