Bahá‘í initiieren Diskussion zum Frauenbild in den Medien
Als „ungerecht, ungesund und nicht nachhaltig“ bezeichnete Michael Karlberg das Frauenbild in den Medien auf einer Zusatzveranstaltung am Rande der 54. Sitzung der Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen in New York, die vom 1. bis zum 12. März stattfindet. „Medienbeiträge werden wie Handelsgut betrachtet. Sie sind jedoch mehr als das, weil sie demokratische Entscheidungen ermöglichen und Kultur schaffen“, sagte der Professor für Kommunikation an der Western Washington Universität.

Baroness Gould (l.), Vorsitzende der nationalen Frauenkommission Großbritannien, bei einer Veranstaltung am 3. März zum Thema Frauenbild in den Medien
New York, 4. März (BWNS) – Portrayal or Betrayal? Der Titel der Diskussion am 3. März im New Yorker Büro der Internationalen Bahá‘í-Gemeinde gab die Lücke zwischen einer klischeefreien Darstellung von Frauen in den Medien und dem Verrat an ethischen Werten durch eben jene Medienwelt wieder. Schon in der Pekinger Aktionsplattform der UN-Weltfrauenkonferenz aus dem Jahr 1995 wurde auf diese Lücke hingewiesen.
„Teilweise besteht das Problem darin, dass das eigentliche Produkt der Medien nicht die Inhalte sind, sondern die Bereitstellung eines Publikums für potentielle Werber“, meinte Michael Karlberg, der selbst Bahá‘í ist. Daher versuchten Medien, dieses Publikum so kostengünstig wie möglich zu erzeugen – durch Inhalte mit viel Sex, viel Gewalt und vielen Konflikten. „Dazu braucht man weder Talent, noch Forschung, noch Enthüllungsjournalismus. Der Appetit wird stimuliert, wie auch Fertigkost mit hohem Salz, Zucker und Fettgehalt dies tut.“
Medien würden so konzipiert, dass sie die niederen Instinkte vorsätzlich ankurbeln, verstärken und ausnutzen, so Karlberg. Im Ergebnis werde eine Medienlandschaft geschaffen, die „ungerecht, ungesund und nicht nachhaltig ist.” Jeder Versuch, das Problem in den Griff zu bekommen, müsse daher die Strukturen von Medienorganen berücksichtigen.
Bereits in der Pekinger Aktionsplattform, die 1995 bei der Weltfrauenkonferenz verabschiedet wurde, wurden die Regierungen aufgefordert, eine Auffassung zu fördern, wonach „die in den Medien gezeigten sexistischen Stereotypen eine Diskriminierung darstellen und von ihrer Natur her erniedrigend und anstößig sind.“
Die Regierungen sollten Maßnahmen ergreifen, „einschließlich geeigneter Rechtsvorschriften“, um gegen Pornographie und die Darstellung von Gewalt gegen Frauen und Kinder in den Medien vorzugehen. Die Medien sollten wiederum im Einklang mit der Meinungsfreiheit berufsständische Richtlinien und Verhaltensregeln und „andere Formen der Selbstkontrolle“ ausarbeiten, um eine „klischeefreie Darstellung von Frauen“ zu fördern. Dabei sollten auch gewalttätige, erniedrigende oder pornographische Darstellungen von Frauen in den Medien, insbesondere auch in der Werbung, zur Sprache kommen.
In den meisten Ländern zeigen Print- und elektronische Medien „kein ausgewogenes Bild der vielfältigen Lebensformen und Beiträge von Frauen zur Gesellschaft in einer sich wandelnden Welt“. Eine „weltweite Tendenz zu verstärktem Konsumverhalten hat eine Atmosphäre geschaffen, in der Anzeigen und Werbebotschaften die Frau häufig in erster Linie als Konsumentin darstellen und Mädchen und Frauen aller Altersstufen auf unpassende Weise als Zielgruppen ansprechen.“
Ein Beispiel dafür, dass nach wie vor Anspruch und Wirklichkeit auseinander klaffen, gab Jane Floyd-Douglass, Vorstandmitglied der Women's National Commission in Großbritannien. Sie berichtete, wie sie sich ein neues Auto kaufen wollte. Sie zog dabei die passenden Modelle von acht Autoherstellern in Betracht, wobei sie jedoch keines davon kaufte. Stattdessen schrieb die Britin den Herstellern: „Ihr Auto hat mir zugesagt. Ich habe mich jedoch dagegen entschieden, weil in Ihrer Werbung Frauen erniedrigt werden.” Sie und weitere Sprecherinnen betonten, dass die sexualisierten Bilder von Frauen in der Werbung so verbreitet seien, dass sie beinahe schon harmlos wirkten. „Wenn wir nichts dagegen unternehmen, sind wir mit beteiligt”, meinte Jan Floyd-Douglass.
Michael Karlberg berichtete demgegenüber über Projekte der weltweiten Bahá‘í -Gemeinde. Sie setzten der schlechten Wirkung einer sexualisierten Darstellung von Frauen und Mädchen in den Medien „etwas“ entgegen. „Wie andere Menschen auf der ganzen Welt auch, mühen sich die Bahá‘í, Kinder zu erziehen und auszubilden“, sagte er. Sie versuchten, ihren „edlen Charakter“ zu fördern, „geistiges Potenzial“ freizusetzen und ihnen dabei zu helfen, Quellen für Sinn, Bedeutung und Freude im Leben zu finden. „Eine geistige Erziehung kann sehr wichtig sein, Kinder weniger empfänglich für die Botschaften in ihrem Medienumfeld zu machen. Sie ist außerdem ein wichtiger Faktor bei der Wahl des Medienkonsums, den die Kinder treffen, wenn sie älter werden.“
Andere Trends könnten sich ebenfalls als hilfreich erweisen, meinte Sarah Kasule, die Geschäftsführerin der Mother's Union for Uganda ist. Sie beschrieb, wie Lesefertigkeiten und der Ausbildungsstand von Frauen und Mädchen in ihrem Land zunehmen. „Es gibt viele Alphabetisierungsprogramme. Dies ist wichtig, weil sie sich dadurch Informationen aneignen, Medienberichte einordnen und darauf reagieren können.“
Hauptthemen der diesjährigen 54. Sitzung der Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen vom 1. bis 12. März waren die weltweite Überprüfung der Umsetzung der Pekinger Aktionsplattform sowie der Milleniumsentwicklungs-ziele der Vereinten Nationen. Die Frauenrechtskommission wurde als Kommission des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen (ECOSOC) am 21. Juni 1946 eingerichtet. Sie ist das grundlegende Organ der Vereinten Nationen im Bereich der Gleichstellung von Frauen und Männern und wirkt an der kontinuierlichen Kodifizierung von Frauenrechten mit. Die Kommission hat 45 Mitglieder, die nach regionalen Gesichtspunkten durch den ECOSOC für eine Periode von vier Jahren gewählt werden. Deutschland ist zurzeit Mitglied der Frauenrechtskommission. Eine Bilanz der Umsetzung der Aktionsplattform von Peking fand bisher alle fünf Jahre statt.
- 29. September 2008
Das BFF - Bahá’í-Frauen Forum tagte am 27./28.9.08 in der Oberpfalz
